Der Tag

Rechter Terror | Blick auf die Netze der Neonazis

Beate Zschäpe hat einen schönen Blick aus ihrer Zelle im Chemnitzer Frauengefängnis. Sie schaut ins Grüne. Noch ist sie Untersuchungsgefangene, ihr Urteil noch nicht rechtskräftig. Im Juli vergangenen Jahres wurde sie zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Wegen zehnfachen Mordes, Mordversuchs, Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, dem "Nationalsozialistischen Untergrund", NSU. Der habe, so das Gericht bei der Urteilsverkündung, aus drei Personen bestanden, u.a. Zschäpe. Das Gericht konnte keine Strukturen erkennen, die die zehn Morde des NSU unterstützt oder vielleicht sogar erst möglich gemacht hatten. Seit der Urteilsverkündung hat sich eine neue rechte Terrorgruppe gebildet: "Revolution Chemnitz". Sie besteht aus acht Männern im Alter zwischen 21 und 31 Jahren. Sie sollen unter anderem Anschläge in Berlin geplant haben, gegen Ausländer und politisch Andersdenkende. Es sollte der Auftakt für eine Anschlagserie in Deutschland sein. Ihr Ziel: kein geringeres als einen Bürgerkrieg und im Folgenden eine Revolution anzuzetteln. Ihnen wird nun der Prozess gemacht. Wer dachte, nach dem NSU Urteil habe sich das Problem der rechten Gewalt in Deutschland erledigt, der irrt. Die Gefahr ist nicht vorbei. Sind die Verfassungsschutzbehörden noch immer auf dem rechten Auge blind?

Die Angeklagte Beate Zschäpe sitzt im Gerichtssaal im Oberlandesgericht
50 Min. | 30.9.2019