Der Tag

Verbrechen und Vergessen: Welche Rechte haben Mörder?

"Du darfst vergessen werden." Dieses Recht hat das Bundesverfassungsgericht jetzt einem verurteilten Mörder zugestanden, der seine Strafe verbüßt hat und bereits vor 17 Jahren aus der Haft entlassen worden ist. Der Mann hatte Anstoß daran genommen, dass bis heute im Internet Berichte über seine Tat verfügbar sind. Berichte, die seinen vollen Namen enthalten und die sofort zum Vorschein kommen, wenn Nutzer diesen Namen in Suchmaschinen eingeben. Gegen diese Art von "Auffindbarkeit" hat der Kläger einen Anspruch auf Schutz, sagt das Bundesverfassungsgericht - und wirft damit zugleich einige Fragen auf. Denn das "Recht, vergessen zu werden" stößt an Grenzen. An juristische Grenzen, die das Verfassungsgericht selbst benannt hat. An technische Grenzen, die im Internet-Zeitalter schwer zu überwinden sind. Und nicht zuletzt an menschliche Grenzen. Denn Vergessen ist keine Sache von Befehl und Gehorsam.

Maske
52 Min. | 29.11.2019