Bildcollage: Das Foto links zeigt einen Kriminalbeamten mit beschlagnahmten Akten des Bonner "Spiegel"-Büros im Arm und den Leiter des Bonner Büros, Dieter Jaene (rechts). Auf dem rechten Foto sind zwei Polizisten abgebildet, die den Eingang zu den Dokumentationsräumen der "Spiegel"-Redaktion im Hamburger Pressehaus bewachen. Der Herausgeber des "Spiegels", Rudolf Augstein, und Redakteure des Nachrichten-Magazins stehen unter dem Verdacht des Landesverrates. Dieser Vorwurf wird gegen sie wegen der Berichterstattung über die Stabsrahmenübung der NATO "Fallex 62" in Nummer 41 des "Spiegels" vom 10. Oktober 1962 erhoben. Aufgenommen am 27. Oktober 1962.
SWR2

"Bedingt abwehrbereit": Beginn der Spiegel-Affäre

Archivradio - Geschichte im Original · 30.09.2022 · 10 Min.
Bildcollage: Das Foto links zeigt einen Kriminalbeamten mit beschlagnahmten Akten des Bonner "Spiegel"-Büros im Arm und den Leiter des Bonner Büros, Dieter Jaene (rechts). Auf dem rechten Foto sind zwei Polizisten abgebildet, die den Eingang zu den Dokumentationsräumen der "Spiegel"-Redaktion im Hamburger Pressehaus bewachen. Der Herausgeber des "Spiegels", Rudolf Augstein, und Redakteure des Nachrichten-Magazins stehen unter dem Verdacht des Landesverrates. Dieser Vorwurf wird gegen sie wegen der Berichterstattung über die Stabsrahmenübung der NATO "Fallex 62" in Nummer 41 des "Spiegels" vom 10. Oktober 1962 erhoben. Aufgenommen am 27. Oktober 1962.
Erscheinungsdatum
30.09.2022
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27.10.1962 | Am Abend des 26. Oktober 1962 besetzte die Polizei Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im Hamburger Pressehaus. Vorausgegangen waren Berichte des "Spiegel", die sehr kritisch gegenüber der Politik von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) waren. Insbesondere der Artikel, der am 10. Oktober 1962 unter der Überschrift "Bedingt abwehrbereit" erschienen war. Der Artikel kam zu dem Ergebnis, dass die Verteidigungsstrategie der Bundeswehr im Fall eines sowjetischen Angriffs nicht funktionieren würde. Die Bundeswehr sei dafür zu schlecht ausgestattet. Diesen Artikel und die darin enthaltenen Details betrachteten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Verteidigungsminister Strauß als Landesverrat, aber auch Bundesanwalt Albin Kuhn sah das so. Am 23. Oktober 1962 ergingen Haftbefehle, drei Tage später schlug das Bundeskriminalamt zu und am folgenden Morgen, dem 27. Oktober 1962, informierte der Verlag die Öffentlichkeit über die Vorgänge. Später, am selben Tag, befragen Journalisten die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, worüber wiederum der Südwestfunk berichtete. Darin fällt auch das Stichwort "Onkel Aloys". Unter diesem Titel war im September bereits ein Strauß-kritischer Artikel im Spiegel erschienen - und zwar darüber, dass ein enger Vertrauter der Strauß-Familie, Aloys Brandenstein, durch Rüstungsgeschäfte der Bundesregierung Millionen an Provisionsgeldern kassiert habe. Minister Strauß verklagt "Spiegel"-Chef Rudolf Augstein. Viele spekulieren, dass die aktuelle Aktion gegen den "Spiegel" ein Racheakt des Verteidigungsministeriums sei. Auch diese Frage sprechen die Journalisten gegenüber der Bundesanwaltschaft an.