Naturschutz-Gesetz verabschiedet
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Zum EU-Natuschutz-Gesetz

Sonntagmorgen · 14.07.2023 · 2 Min.
Naturschutz-Gesetz verabschiedet
Erscheinungsdatum
14.07.2023
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Wenn Du Bauer bist, wird jedes Stück Land zum Acker. Das verstehe ich und ich verstehe auch die Sorge, dass immer mehr Fläche verloren geht. Nur: diese Flächen waren mal alle Natur. Die hat am meisten verloren und wir kommen gar nicht umhin ihr wieder was zurückzugeben. Den Flüssen, den Büschen und Hecken und dem Gras. Deshalb ist es gut, dass dieser Rechtsakt zur Wiederherstellung der Natur kommen wird. Es ist aber auch gut, dass die Punkte, die aus Sicht der Bauern Zumutungen waren, in ihrer härtesten Form raus sind. Das ist eine Grundlage für weitere Verhandlungen. Der Prozess ist ja nicht zu Ende. Die Kommission hatte einen ambitionierten Vorschlag gemacht, der Rat - die Mitgliedsstaaten also - und jetzt auch das Parlament haben Position bezogen - aber am Ende braucht es noch mal eine Mehrheit im Rat und die ist nicht so sicher. Das ist der normale Ablauf der Dinge in der Europäischen Union - ein komplizierter Prozess aber: er liefert! Deshalb war es einigermaßen unverständlich, dass ausgerechnet die proeuropäische EVP, angeführt von CSU-Mann Manfred Weber, diesmal in Fundamentalopposition gegangen ist. Wahltaktik? In Bayern wird im Oktober, in der EU in einem Jahr gewählt. Ja, wohl schon. Denn auch in der Union wissen viele: das rächt sich. Bei nächster Gelegenheit machens die anderen genau so. Und sie wissen auch: die berechtigten Anliegen der Bauern sollen Gehör finden, aber die demokratisch gewählte Vertretung alle Europäer muss auch die Interessen der Natur und andere Ansprüche der gEsellschaft im Auge haben. Soweit so gut. Allerdings sollten wir als Bürger und Verbraucher auch das Ende bedenken: natürlich hat "mehr Platz für die Natur" am Ende einen Preis, den man nicht nur der Landwirtschaft aufbürden darf. Weniger produktive Äcker, das bezahlen wir entweder durch höhere Preise allgemein, durch deutlich weniger Fleisch - das dann auch VIEL teurer wird - oder durch weniger Biogas-Mais-Anbau und damit das treibt die Energiekosten. Das gehört zur Ehrlichkeit dazu.