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Corona-Impfkampagne: Theologe Dabrock kritisiert Einteilung der Risikogruppen

Der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, hätte sich bei der Auswahl, wer in Deutschland zuerst den Impfstoff gegen das Corona-Virus bekommt, eine "stärkere Einbeziehung der Exponiertheit" gewünscht. "Dazu hätte es vor allen Dingen auch einer parlamentarischen Debatte bedurft", sagte er im SWR Aktuell-Gespräch mit Moderator Stefan Eich. Die aktuelle Impfverordnung besage, dass man zuerst die Hochrisikogruppen impfen wolle, weil unter ihnen die Todesgefahr am größten sei. "Bei den nachfolgenden unteren Gruppen - und das sehe ich ein bisschen kritisch - hätte man das Problem der Exponiertheit noch stärker herausarbeiten müssen. Zum Beispiel bei den Pflegekräften und auch bei denjenigen, die an der Kasse eines Supermarktes sitzen und von Berufswegen mit einem ständig wechselnden Personenkreis zu tun haben." Dieser Personenkreis hat nach Ansicht Dabrocks "ein ungeheuer großes Risiko." Dieses hält er für ein höheres Risiko als das Risiko bei Menschen im Alter zwischen 60 und 75 Jahren. "Dieser Personenkreis hat zwar ein hohes Risiko, ist aber in der Lage, es mit verschiedenen flankierenden Maßnahmen für sich persönlich zurückzuhalten."

Peter Dabrock, ehemaliger Chef des Deutschen Ethikrates, aufgenommen in den Räumlichkeiten des Ethikrates
3 Min. | 28.12.2020