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Medizinstatistiker kritisiert Corona-Politik: "Wir haben nichts dazu gelernt"

Neuinfektionen, Todesfälle, Zahl der Genesenen und Geimpften, der R-Wert und die 7-Tage-Inzidenz: anhand dieser Zahlen entscheiden Politiker, wie welcher Lockdown aussehen sollte. Dass das allein nicht wirklich Sinn macht, kritisiert der Freiburger Medizinstatistiker und Mathematiker Gerd Antes. Im SWR ärgerte er sich über die jüngsten Nachrichten über nicht belastbare Zahlen wegen der Feiertage. Der Umgang mit den Corona-Zahlen sei "teilweise so dilettantisch und das Erschreckende daran ist: Wir haben eigentlich über dieses eine Jahr nichts dazu gelernt und nichts verbessert, wie man mit diesen Indikatoren umgeht." Vor allem das Geschehen in Betrieben sei entscheidend. Antes forderte sofort eine Testpflicht in Unternehmen. Dass es die immer noch nicht gäbe, sei ein großes Übel. Hier würden auch Interessenskonflikte eine große Rolle spielen: "Natürlich hat man Angst davor, dass die Produktion und Dienstleistungen massiv gestört werden. Deswegen guckt man lieber nicht so genau hin." Außerdem müsse man beim Erkennen, wo genau Corona-Infektionen passieren, lokal handeln. Das Infektionsschutzgesetz zu verschärfen, um dem Bund mehr Macht zu geben, sei "genau der falsche Weg". Warum, erklärt der Medizinstatistiker im Interview mit SWR2 Aktuell-Moderatorin Marie Gediehn.

Auf einer Deutschlandfahne liegt eine Mundschutzmaske mit Lockdownbegriffen
5 Min. | 9.4.2021