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Rechtsextreme Chats: Einzelfälle sind Hinweise auf strukturelle Probleme | Interview

Nicht erst nach den aufgedeckten rechtsextremistischen Chats in der Polizei NRW sieht Rafael Behr, Professor für Kriminologie und Sozialforschung am Fachhochschulbereich der Polizeiakademie Hamburg, ein strukturelles Problem bei der Polizei.Im Gespräch mit SWR Aktuell sagte Behr. "Eigentlich ist unter Sozialwissenschaftlern klar, dass diese Einzelfälle immer nur Hinweischarakter haben auf strukturelle Fehler, die in der Organisation passieren." Mittlerweile ändere sich das Klima auch in der Polizei, "dass diese Einzelfälle eben keine Einzelfälle sind sondern Ausdruck eines subkulturellen Klimas in der Polizei, das fast alle Bundesländer betrifft." Eine Polizei sei immer in Strukturen eingebettet, und diese hätten zum Beispiel in NRW "nicht verhindert, dass (…) ganze Dienstgruppen abgleiten und schon über Jahre abgleiten." Dennoch betont Behr: "Die Polizei ist nicht strukturell rassistisch, schon gar nicht die gesamte Polizei, aber es gibt auch keine Strukturen in der Polizei, die wirkungsvoll solche Vorkommnisse verhindern." Entscheidend ist für Behr, dass die ersten Jahre nach der Polizeiausbildung in der Berufspraxis weiter begleitet werden, um ein Abgleiten zu verhindern. Das finde aktuell nicht statt.

Schild mit Aufschrift Polizei
5 Min. | 17.9.2020