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03.12.2021

Der General - hilft sofort!

Nun soll es also ein General richten. Carsten Breuer, Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, übernimmt die Leitung des neuen Krisenstabs im Bundeskanzleramt. Seine wichtigste Aufgabe wird es sein, das Durcheinander bei der aktuellen Impfkampagne zu entwirren und für mehr Tempo zu sorgen, damit bis Weihnachten wirklich 30 Millionen Impfungen bundesweit durchgeführt werden können. Signal: Die Impf-Kampagne wird zur Chefsache. Aber der eigentliche Chef ist ja bald Olaf Scholz. Wäre es nicht Aufgabe der Politik, das in die Hand zu nehmen? Zumal das "Zur-Chefsache-Machen" bislang eine Spezialität von Angela Merkel gewesen ist. Allerdings wesentlich unauffälliger und geräuschloser. Was ändert sich überhaupt, wenn Chef oder Chefin ein Projekt komplett übernimmt? Ist das eher kontraproduktiv - oder sehnen wir uns gar nach mehr Autorität?

54 Min.
01.12.2021

Welt-AIDS-Tag: Im Schatten von Corona

"Gib AIDS keine Chance!". Dieser Aufruf war in den 80er Jahren allgegenwärtig, als die bedrohliche Krankheit, ausgelöst durch das HI-Virus, zum ersten Mal beschrieben wurde. Damals hat eine Infektion mit dem Virus fast immer zum baldigen Tod geführt. Heute können Infizierte dank moderner Medikamente ein weitgehend normales Leben führen, trotz mancher Einschränkungen. Vielleicht bekommt AIDS aber gerade wieder eine neue "Chance". Und zwar ungewollt, weil sich alles auf den Kampf gegen Corona konzentriert und andere Infektionskrankheiten dabei aus dem Blickfeld geraten. Selbst am Welt-AIDS-Tag. Drohen uns im Schatten von Corona neue Epidemien, weil wir unsere Ressourcen im Gesundheitssystem derzeit vor allem auf ein Ziel konzentrieren? Und wie sorglos können wir mit AIDS wirklich umgehen, 40 Jahre nachdem es als eigenständige Krankheit erkannt wurde?

53 Min.
30.11.2021

Moleküle des Grauens - Warum Chemiewaffen nicht verschwinden

Chemische Waffen sind weltweit verboten, schon seit 1997. Das Grauen, das Phosgen, Senfgas und andere "Lungen-, Blut- und Nervenkampfstoffe" seit ihrem ersten Einsatz im Ersten Weltkrieg auslösen, haben eine ungewöhnliche Entschlossenheit bewirkt. Seither wacht die OVCW, die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen, von Den Haag aus darüber, dass es auch eingehalten wird. Die Bundesregierung sieht im Abkommen über chemische Waffen "einen der erfolgreichsten multilateralen Abrüstungsverträge" - und wahrscheinlich wird die OVCW auf ihrem jährlichen Kongress in dieser Woche auch eine eher positive Bilanz ziehen. 2013, als die OVCW den Friedensnobelpreis erhielt, wäre das anders gewesen: im syrischen Bürgerkrieg waren Stellungen von Aufständischen mit Sarin attackiert worden. Bis heute ist Assad der Hauptverdächtige. Barack Obama sah eine "rote Linie" überschritten, Folgen hatte das aber kaum welche. Die weltweite Ächtung nimmt uns nicht im Einzelfall die Furcht, dass doch jemand zum Äußersten greift. Und sei es zum politischen Mord, wie im Fall Skripal. Chemische Waffen sind weltweit verboten, verschwunden sind sie nicht.

53 Min.
Geld auf Tisch
29.11.2021

Ganz schön aufgeblasen - die Inflation | Ausführlicher Hintergrund

Unser Gefühl trügt nicht: Es wird tatsächlich vieles teurer! Erst im Oktober ist die Inflationsrate in Deutschland wieder einmal nach oben geschnellt, auf 4,5 Prozent. Und wenn jetzt das Statistische Bundesamt die ersten Daten für November vorlegt, ist es eher unwahrscheinlich, dass dieser Wert deutlich sinkt. Nicht nur Strom, Sprit oder Heizöl legen zu, sondern auch viele andere Dinge des täglichen Bedarfs. Ein Problem vor allem für Menschen, die ohnehin schon wenig Geld haben. Warum bekommen wir die Inflation gerade nicht in den Griff - trotz Bundesbank, EZB und vielen Fachleuten in der Politik? Ist ein gewisses Maß an Inflation vielleicht sogar gewollt? Denn schon bei der Entstehung unseres Universums war sie absolut notwendig.

54 Min.
26.11.2021

Nicht wehrlos! Frauen gegen Gewalt

Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Fälle häuslicher Gewalt wieder gestiegen, vier Fünftel der Taten gehen von Männern aus. Die Corona-Pandemie soll die Situation zuhause zusätzlich verschärft haben, als häufigster Grund von Gewalt gegen Frauen gelten patriarchale Strukturen in der Familie. Und die sind nicht, wie manche behaupten, nur in Familien mit Migrationshintergrund zu finden. Um das an dieser Stelle gleich festzuhalten: Patriarchen sind auch deutsche Männer, denn sie verüben in diesem Land mehr Gewalttaten an Frauen als Männer mit Migrationshintergrund. Aber wie stellt sich die Gesellschaft eine Frau vor, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden ist? Als Mäuschen, als schwache Person, die nicht den Mut hat, sich zu trennen; nicht das Rückgrat, gegen den prügelnden Mann aufzubegehren? Das ist der Fehler, den wir als Gesellschaft machen: Wir stigmatisieren die Opfer und nehmen ihnen so einen freien Raum, in dem sie ihre Stimme erheben können. Jede Frau, egal wie klug, selbstbewusst oder erfolgreich kann Opfer häuslicher Gewalt werden. Wie kommen wir also alle zusammen aus diesem Teufelskreis wieder raus?

54 Min.
25.11.2021

Zuckerbrot und Spritze - Wie umgehen mit den Ungeimpften?

Sich nicht impfen zu lassen gegen das Corona-Virus - noch ist das bei uns eine freie persönliche Entscheidung. Aber schon jetzt sind Ungeimpfte von immer mehr Bereichen des täglichen Lebens ausgeschlossen. Und die Luft für sie könnte noch dünner werden. Denn bei den politisch Verantwortlichen bröckelt mittlerweile die Front gegen eine Impfpflicht. So wird der Umgang mit Ungeimpften zu einer immer größeren Herausforderung der Pandemie - rechtlich, politisch und in unserem Zusammenleben. Denn der Unmut wächst: Der Unmut der Ungeimpften - und der Unmut gegen die Ungeimpften. Und es geht um gleich mehrere wichtige Fragen: Was hält Menschen davon ab, sich impfen zu lassen? Wie sinnvoll und wie problematisch wäre die offizielle Einführung einer Impfpflicht? Und wie sinnvoll oder problematisch ist es, sie schon jetzt zur Hintertür hereinzulassen? Und nicht zuletzt geht es um die Frage: Wie impfen wir uns gegen das Virus gegenseitiger Aggression?

53 Min.
Vertreter*innen der Ampel-Parteien von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP
24.11.2021

Maßlos überschätzt? Der Koalitionsvertrag | Hintergrund und Analyse

Egal wie lang Grüne, FDP und SPD an ihrem Koalitionsvertrag gefeilt haben, am Ende bleibt die Frage, ob dieser Vertrag überhaupt so bedeutsam wird für die nächsten vier Jahre. Historisch betrachtet sind Koalitionsverträge, was die Seitenzahl angeht, immer länger, und was die Inhalte angeht, immer umstrittener geworden. Waren es bei den ersten Koalitionen der Bundesrepublik noch, wenn überhaupt, ein paar dünne Papiere mit wenigen losen Vereinbarungen, wird die voraussichtlich nächste Bundesregierung von manchen schon an ihrem Koalitionsvertrag gemessen, bevor sie überhaupt angefangen hat zu arbeiten. Die Ampel-Parteien haben sich einiges vorgenommen, sie wollen eine "Fortschrittskoalition" sein, die das Land wirklich erneuern und nach vorne bringen soll. Aber was bleibt bei so viel Kompromissmasse überhaupt noch übrig von den ursprünglichen Wahlprogrammen der drei Parteien? Ist so ein Koalitionsvertrag juristisch betrachtet überhaupt ein Vertrag? Und ist es nicht viel wichtiger, wer am Ende mit welchem Personal welche Ministerien übernimmt, als was in diesem Wisch steht?

54 Min.