Podcast | Der zweite Gedanke © rbbKultur
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Der zweite Gedanke

Kultur

Debatten-Podcast mit Natascha Freundel & Gästen - Wie wollen wir leben? Zentrale Fragen der Kultur und Gesellschaft im Gespräch bei rbbKultur. On Second Thought: Der zweite Gedanke ist oft ein neuer. "Der zweite Gedanke" kooperiert regelmäßig: - mit dem Staatstheater Cottbus in den "Brandenburgischen Gesprächen" - mit dem Philosophie Magazin und der Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler

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07.07.2021

Wahrheit - 4. Brandenburgische Gespräche

Die Debatte mit Natascha Freundel, Marcel Beyer und Marina Münkler Koproduktion von rbbKultur und Staatstheater Cottbus. Im Video: www.rbbkultur.de/derzweitegedanke "Wahrheit" - ein Kampfbegriff im 21. Jahrhundert. Hat es mit Donald Rumsfelds Rede von den "unknown unknowns" begonnen? Mit "fake news", über die der ehemalige US-Präsident so gern spricht? Die Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler sagt, dass so genannte "Wahrheiten" heute oft moralisch aufgeladen sind, nicht selten als Heilsversprechen für ein gelungenes Leben - und wenn es nur darum geht, vegan zu leben. Der Schriftsteller Marcel Beyer versucht, sich fremdzuschreiben: das Ich im Text als ein Gegenüber auftreten zu lassen. Die Vielstimmigkeit der Literatur und natürlich der Humor sind gute Medizin gegen Wahrheitsfanatismus. Marina Münkler: "Wenn man sich über die Fakten nicht mehr verständigen kann, dann tauscht man den Meinungsbegriff durch den Wahrheitsbegriff aus und macht ihn zum Kampfbegriff. Die Verwendung des Wahrheitsbegriffs neigt dazu, ihn zu einem Kampfbegriff zu machen. Wir haben gerade so eine Situation, in der wir das verstärkt beobachten können." Marcel Beyer: "Nirgendwo gibt es so viel unauflösbare Widersprüche wie in vermeintlich klaren Verschwörungsnarrativen. Humor würde die völlig zum Zersplittern bringen, und damit würde dann auch gleich ein ganzes Weltbild in sich zusammenbrechen." Kommentare, Themenvorschläge bitte an derzweitegedanke@rbbkultur.de

49 Min.
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30.06.2021

Liebe heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Şeyda Kurt und Ulrich Peltzer Liebe war schon immer ein aufgeladener Begriff. Aufgeladen mit sexistischer Gewalt, Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Normierung, meint die Berliner Journalistin Şeyda Kurt in ihrem ersten Buch "Radikale Zärtlichkeit". Sie plädiert für eine Utopie der "Ethik eines neuen Miteinanders", die der Würde und Freiheit jedes Menschen dient. Vergesst die Liebe, lebt Gerechtigkeit auch im Intimen, sagt sie. Wie war das mit der ersten, großen Liebe? - fragt der Schriftsteller Ulrich Peltzer in seinem Roman "Das bist du". Blitzlichtartige Erinnerungsbilder zeigen ein Westberliner Studentenleben um 1980, als der Erzähler die Frau seines Lebens fand und verlor. Die Liebe des Lebens - ein Fall für den Sondermüll der Geschichte? Ein Streitgespräch über Liebe, Gewalt und Zärtlichkeit gestern und heute. Şeyda Kurt: Radikale Zärtlichkeit. Warum Liebe politisch ist. Harper Collins 2021, 256 S., 18 Euro Ulrich Peltzer: Das bist du. Roman. S. Fischer 2021, 288 S., 22 Euro Schreiben Sie Ihre Kommentare, Kritik oder Ideen zu "Der Zweite Gedanke" bitte direkt an Natascha Freundel unter derzweitegedanke@rbbkultur.de oder unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke

42 Min.
Wroclaw - Hausfassade mit der deutschen Aufschrift Lebensmittelladen © Kamil Majchrzak
23.06.2021

Wir Flüchtlinge? - Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Die Debatte mit Natascha Freundel, Gundula Bavendamm und Kamil Majchrzak Das Dokumentationszentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" wurde nach über 20 Jahren heftiger Diskussionen eröffnet. Die zentrale Dauerausstellung stellt die Zwangsmigration von 12 bis 14 Millionen Deutschen aus Ost- und Südosteuropa in den Kontext des Zweiten Weltkriegs und in den Kontext weltweiter Migrationserfahrungen bis heute. Eine neue, wichtige Adresse auf der Karte der Gedächtnisorte in der deutschen Hauptstadt. Doch warum findet hier keine kritische Auseinandersetzung mit dem Revisionismus des "Bundes der Vertriebenen" statt? Geht die Ausstellung zu wenig auf die Diversität der Deutschen im 20. Jahrhundert und heute ein? Und soll das Haus ein Ort für Debatten zu aktuellen Flüchtlingsfragen werden? "Der Begriff Vertreibung scheint immer noch reserviert zu sein für eine Geschichte von Deutschen für Deutsche über Deutschland." Kamil Majchrzak "Es ist natürlich überhaupt nicht unsere Idee, diesen Vertreibungsbegriff in irgendeiner Weise zu reservieren, sondern wir schildern ja eine Menschheitsgeschichte der Flucht und Vertreibung. Und davon ist das, was mit den Deutschen passiert und was sie vorher anrichten, ein Teil." Gundula Bavendamm Mehr Infos und Fotos unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke Anregungen, Fragen, Kritik bitte an derzweitegedanke@rbbkultur.de

46 Min.
Deutsches Theater Berlin © POP-EYE/Christian Behring
16.06.2021

Spiegel der Welt? - Macht im Theater

Die Debatte mit Natascha Freundel, Iris Laufenberg und Patrick Wildermann "Es ist höchste Zeit, der Welt - gerade und erst recht in Zeiten einer Pandemie - den Spiegel vorzuhalten", meint die künftige Intendantin des Deutschen Theaters Berlin, Iris Laufenberg, Doch wie kann das Theater der Welt den Spiegel vorhalten, wenn es mit strukturellen Fragen von Machtmissbrauch und mangelnder Teilhabe beschäftigt ist? Bühnen wie das Deutsche Theater seien "hochelitäre" Betriebe, sagt der Theaterkritiker Patrick Wildermann. Sie müssten viel mehr tun, um alle Teile der Gesellschaft anzusprechen. Daran arbeite sie schon lange, erklärt die Grazer Intendantin Laufenberg. Ein Streitgespräch über Brüche in der Machtstruktur, die Vorfälle an der Volksbühne, am Gorki und am Schauspielhaus Düsseldorf, über Gehälter und Gagen, Schutzräume für Schutzbedürftige, Diversität und Konfliktbereitschaft. Quellen und weiterführende Links unter www.rbbkultur.de/derzweitegedanke Kommentare und Vorschläge für Debatten bitte an derzweitegedanke@rbbkultur.de

45 Min.
Jugendliche steht in ihrem Zimmer am Fenster © Paul Zinken/dpa
09.06.2021

Generation Lost? - Jugend in der Pandemie

Die Debatte mit Natascha Freundel, Melisa Başkara, Lino Menden und Severine Thomas Sie wurden als Party People und Super Spreader bezeichnet. Oder auch als "Generation Corona", die "voll am Arsch" sei. Melisa und Lino haben den Corona-Stillstand in unterschiedlichen Verhältnissen in Berlin erlebt. Für beide ist wichtig geworden, auf die eigene Stimme zu hören. Melisa hat gelernt, auf Freunde zu verzichten und liebt jetzt Sonnenuntergänge. Lino spricht von der "Generation Spaziergang". Wie viele junge Menschen haben sie die durch ihr Verhalten zur Eindämmung des Virus beigeitragen. Andere sehen ihr Leben "dahinschwimmen", weiß die Jugendforscherin Severine Thomas. Sie fordert, dass die Beteiligung junger Menschen an allen demokratischen Prozessen viel stärker verankert werden. Melisa Başkara: "Ich habe gelernt, mit mir und meinem Dasein klarzukommen. In der heutigen Gesellschaft läuft man ja oft der Gesellschaft hinterher." Lino Menden: "Ein Freund von mir hat gesagt, dass wir die Spaziergänger-Generation sein werden, da man sonst in dieser Zeit nicht viel machen konnte." Severine Thomas: "Wir brauchen eine starke Lobby für Kinder und Jugendliche, um gesellschaftliche Verpflichtungen zur Mitbestimmung einzulösen. Jetzt sind alle Akteure stärker gefragt, auch in ihren eigenen Arbeitskontexten, vielleicht bis in den Rundfunk hinein: wo hören wir eigentlich auf das, was junge Menschen denken?" www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/das-leben-von-jungen-menschen-in-der-corona-pandemie-1

41 Min.

Die Debatte mit Natascha Freundel, Melisa Başkara, Lino Menden und Severine Thomas Sie wurden als Party People und Super Spreader bezeichnet. Oder auch als "Generation Corona", die "voll am Arsch" sei. Melisa und Lino haben den Corona-Stillstand in unterschiedlichen Verhältnissen in Berlin erlebt. Für beide ist wichtig geworden, auf die eigene Stimme zu hören. Melisa hat gelernt, auf Freunde zu verzichten und liebt jetzt Sonnenuntergänge. Lino spricht von der "Generation Spaziergang". Wie viele junge Menschen haben sie die durch ihr Verhalten zur Eindämmung des Virus beigeitragen. Andere sehen ihr Leben "dahinschwimmen", weiß die Jugendforscherin Severine Thomas. Sie fordert, dass die Beteiligung junger Menschen an allen demokratischen Prozessen viel stärker verankert werden. Melisa Başkara: "Ich habe gelernt, mit mir und meinem Dasein klarzukommen. In der heutigen Gesellschaft läuft man ja oft der Gesellschaft hinterher." Lino Menden: "Ein Freund von mir hat gesagt, dass wir die Spaziergänger-Generation sein werden, da man sonst in dieser Zeit nicht viel machen konnte." Severine Thomas: "Wir brauchen eine starke Lobby für Kinder und Jugendliche, um gesellschaftliche Verpflichtungen zur Mitbestimmung einzulösen. Jetzt sind alle Akteure stärker gefragt, auch in ihren eigenen Arbeitskontexten, vielleicht bis in den Rundfunk hinein: wo hören wir eigentlich auf das, was junge Menschen denken?" www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/das-leben-von-jungen-menschen-in-der-corona-pandemie-1

Ein Mädchen hält von dem Hanadi-Turm, der durch israelische Luftangriffe beschädigt wurde und eingestürzt ist, Luftballons in die Höhe. © Mohammed Talatene/dpa
26.05.2021

Krieg oder Föderation? - Zur Zukunft in Israel und Palästina (Deutsch-Englisch)

Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Michael Wolffsohn (Deutsch-englische Originalfassung, ohne Übersetzung) Nach elf Tagen Raketenkrieg zwischen Israel und Hamas im Mai 2021 lohnt es sich, über neue Ideen des Miteinanders zwischen Juden und Arabern in Nahost nachzudenken. Der Philosoph Omri Boehm und der Historiker Michael Wolffsohn haben verschiedene Vorschläge für die Bildung einer jüdisch-arabischen Föderation. Die viel beschworene "Zweistaatenlösung" muss ad acta gelegt werden, darin sind sie sich einig. Eine Diskussion über die Ursachen der neuen Eskalation, über den Begriff "Apartheid" und über föderale Modelle für ein neues, friedliches Miteinander im Nahen Osten. "Die Zweistaatenlösung ist keine Lösung, sondern ein Problem." Michael Wolffsohn

47 Min.
Ein Mädchen hält von dem Hanadi-Turm, der durch israelische Luftangriffe beschädigt wurde und eingestürzt ist, Luftballons in die Höhe. © Mohammed Talatene/dpa
26.05.2021

Krieg oder Föderation? - Zur Zukunft in Israel und Palästina

Die Debatte mit Natascha Freundel, Omri Boehm und Michael Wolffsohn (Mit deutscher Übersetzung) Nach elf Tagen Raketenkrieg zwischen Israel und Hamas im Mai 2021 lohnt es sich, über neue Ideen des Miteinanders zwischen Juden und Arabern in Nahost nachzudenken. Der Philosoph Omri Boehm und der Historiker Michael Wolffsohn haben verschiedene Vorschläge für die Bildung einer jüdisch-arabischen Föderation vorgelegt. Die viel beschworene "Zwei-Staaten-Lösung" muss ad acta gelegt werden, darin sind sie sich einig. Eine Diskussion über die Ursachen der neuen Eskalation, über den Begriff "Apartheid" und über föderale Modelle für ein neues, friedliches Miteinander im Nahen Osten. "Die Zweistaatenlösung ist keine Lösung, sondern ein Problem." Michael Wolffsohn

47 Min.
"Purple Ride" zum internationalen Frauentag © Wolfram Steinberg/dpa
19.05.2021

Geschlecht und Revolution - Frauenbewegung heute

Die Debatte mit Natascha Freundel, Christina von Braun und Eva von Redecker Wo steht die Frauenbewegung heute, gerade in der Corona-Pandemie? Wird der Feminismus von den Debatten um Geschlechterdiversität überholt? Ein Gespräch zwischen Generationen, über Ost- und Westerfahrungen, über Sorge-Arbeit, geschlechtergerechte Sprache und die Frage, ob der Kapitalismus abgeschafft werden muss, damit die Forderungen des Feminismus realisiert werden können. Eva von Redecker: "Ich verdanke mein Leben dem Feminismus und den vorhergegangenen Feministinnen." Christina von Braun: "Geschlecht. Eine persönliche und eine politische Geschichte", Propyläen Verlag Eva von Redecker: "Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen", S. Fischer

49 Min.
Mädchen mit Maske guckt aus dem Fenster © imago images / Cavan Images
05.05.2021

Einsamkeit - Eine Aufgabe der Politik?

Die Debatte mit Natascha Freundel, Susanne Bücker und Wilhelm Schmid Eine Pandemie geht um in Deutschland. Nicht nur eine Virus-Epidemie, manche warnen auch vor einer "Einsamkeitspandemie". Wissenschaftlich belegen lässt sich die Ausbreitung von Einsamkeit jedoch nicht. Und ist Einsamkeit per se negativ? Der Berliner Philosoph Wilhelm Schmid widerspricht: Die produktive Seite der Einsamkeit dürfe nicht vergessen werden. Schmid wünscht sich sogar ein Ministerium für und nicht gegen Einsamkeit, um diese Errungenschaft der Moderne zu pflegen. Susanne Bücker, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum, erforscht die verschiedenen Gesichter der Einsamkeit und betont, wie wichtig es ist, über sie zu reden. Besonders Jugendliche können mit sozialer Isolation nur schwer umgehen. Armut verhindert häufig soziale Teilhabe. Eine Aufgabe der Politik? Schmid und Bücker sind sich einig, wie wichtig Bewegung, Berührung und Beziehung sind. Aufgaben für alle. Wiederholung vom Dezember 2020.

35 Min.
Museum der Moderne © Herzog & de Meuron
29.04.2021

Das Museum der Zukunft? - Kulturforum Berlin

Braucht Berlin jetzt ein neues, teures Museum für das 20. Jahrhundert? Seit Jahren wird darüber geklagt, dass große Teile der Nachkriegskunst der BRD und DDR im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im Depot liegen. Finanziert vom Bund, unterstützt von der Bundeskulturbeauftragten Monika Grütters, von der SPK und privaten Kunstsammlern, entsteht nun am Berliner Kulturforum das Projekt "Neue Nationalgalerie - Museum des 20. Jahrhunderts" vom Architekturbüro Herzog de Meuron. Kostenkalkulation bis zur Eröffnung 2026: 450 Millionen Euro. Der ikonische Kunsttempel von Mies van der Rohe, mit dem der Neubau einmal verbunden sein soll, wurde gerade für 140 Millionen Euro bis ins letzte Detail saniert. Sind die Kosten für den Neubau gerechtfertigt? Konkurriert oder korrespondiert die geplante "Kulturscheune" mit den weltberühmten Bauwerken am Kulturforum? Ist die Ökobilanz des neuen Hauses Mindest- oder "Gold"-Standard? Ascan Mergenthaler, der das Projekt "Neue Nationalgalerie - Museum des 20. Jahrhunderts" für Herzog de Meuron leitet, diskutiert mit Architekturkenner Nikolaus Bernau, der zu den vehementesten Kritikern des Neubaus gehört. Ascan Mergenthaler: "Es ist einfach ein Haus und ein Haus kann eine Scheune sein, kann aber auch ein Tempel sein. Wichtig war für uns, dass wir etwas finden, was zwischen diesen zwei wirklich unglaublich starken Gebäuden Platz hat. Die Neue Nationalgalerie ist einfach ein wunderbares Gebäude. Und so ist es auch mit der Philharmonie. Wie können wir uns dazwischen platzieren? Und da kam eben diese Idee des Hauses. Das hat Bestand, oder sie ist eine archaische Form." Nikolaus Bernau: "Zwischen ein 'Gebirge' wie die Philharmonie und einen flachen Tempel wie die Nationalgalerie ein Satteldachbau zu stellen und zu sagen: 'das ist eine archaische Hausform', das ist Architektenrhetorik. Das ist die simpelste Antwort, die man machen kann. Wenn rundherum alles nicht zusammenpasst, dann mache ich dazwischen ein Gebäude mit Satteldach. Das ist nicht archaisch. Um es ganz grob auszudrücken: Das ist ein Affront gegenüber den angrenzenden Gebäuden."

54 Min.

Braucht Berlin jetzt ein neues, teures Museum für das 20. Jahrhundert? Seit Jahren wird darüber geklagt, dass große Teile der Nachkriegskunst der BRD und DDR im Besitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) im Depot liegen. Finanziert vom Bund, unterstützt von der Bundeskulturbeauftragten Monika Grütters, von der SPK und privaten Kunstsammlern, entsteht nun am Berliner Kulturforum das Projekt "Neue Nationalgalerie - Museum des 20. Jahrhunderts" vom Architekturbüro Herzog de Meuron. Kostenkalkulation bis zur Eröffnung 2026: 450 Millionen Euro. Der ikonische Kunsttempel von Mies van der Rohe, mit dem der Neubau einmal verbunden sein soll, wurde gerade für 140 Millionen Euro bis ins letzte Detail saniert. Sind die Kosten für den Neubau gerechtfertigt? Konkurriert oder korrespondiert die geplante "Kulturscheune" mit den weltberühmten Bauwerken am Kulturforum? Ist die Ökobilanz des neuen Hauses Mindest- oder "Gold"-Standard? Ascan Mergenthaler, der das Projekt "Neue Nationalgalerie - Museum des 20. Jahrhunderts" für Herzog de Meuron leitet, diskutiert mit Architekturkenner Nikolaus Bernau, der zu den vehementesten Kritikern des Neubaus gehört. Ascan Mergenthaler: "Es ist einfach ein Haus und ein Haus kann eine Scheune sein, kann aber auch ein Tempel sein. Wichtig war für uns, dass wir etwas finden, was zwischen diesen zwei wirklich unglaublich starken Gebäuden Platz hat. Die Neue Nationalgalerie ist einfach ein wunderbares Gebäude. Und so ist es auch mit der Philharmonie. Wie können wir uns dazwischen platzieren? Und da kam eben diese Idee des Hauses. Das hat Bestand, oder sie ist eine archaische Form." Nikolaus Bernau: "Zwischen ein 'Gebirge' wie die Philharmonie und einen flachen Tempel wie die Nationalgalerie ein Satteldachbau zu stellen und zu sagen: 'das ist eine archaische Hausform', das ist Architektenrhetorik. Das ist die simpelste Antwort, die man machen kann. Wenn rundherum alles nicht zusammenpasst, dann mache ich dazwischen ein Gebäude mit Satteldach. Das ist nicht archaisch. Um es ganz grob auszudrücken: Das ist ein Affront gegenüber den angrenzenden Gebäuden."

Alle Menschen sind gleich aber manche sind reicher © Kira Hofmann/dpa
21.04.2021

Arbeit fürs Leben

Die Debatte mit Natascha Freundel, Julia Friedrichs und Rainer Hank Wird die Kluft zwischen Arm und Reich immer tiefer, wie es oft heißt? Die Reporterin Julia Friedrichs hat die Protagonisten ihres Buchs "Working Class" ein Jahr lang begleitet, bis in die Corona-Krise hinein. Sie erzählt von Menschen mit ganz unterschiedlichen Bildungs- und Lebenswegen, die hart arbeiten und doch kaum über die Runden kommen. Die untere Mittelschicht, so Friedrichs, könne kein Vermögen aufbauen. Doch "der Wunsch, dass Menschen aus ihrer Anstrengung heraus etwas erreichen, ist universell." Der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank dagegen sagt: "Deutschland ist ein relativ egalitäres Land." Es gehe uns im Moment so gut wie noch nie, wenn man die Corona-Pandemie einmal ausklammere. Er meint, dass die Loyalität zur eigenen Familie oder zur eigenen Herkunft Klassenunterschiede begründet. Ein Streitgespräch über Vermögensungleichheit, die Leistungsgesellschaft, Bildungschancen und Umverteilung. Bücher: Julia Friedrichs: "Working Class. Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können" (Berlin Verlag) Rainer Hank: "Die Loyalitätsfalle. Warum wir dem Ruf der Horde widerstehen müssen" (Penguin Verlag)

41 Min.