Eine Stunde reden - der Podcast mit Mario Neumann · Bremen Zwei

Bremen Zwei

Eine Stunde reden - der Podcast mit Mario Neumann

Kultur

"Eine Stunde Reden?" steht auf dem Schild mit dem sich Host Mario Neumann auf die Straße stellt und wartet - solange, bis er jemanden gefunden hat, der reden will. Seinen unbekannten Gast nimmt er mit ins Bremen-Zwei-Studio - und dort reden sie. Eine ganze Podcast-Folge lang. Über Erfolg und Scheitern, verpasste und gelebte Träume, ein spätes Coming Out, eine schwierige Scheidung, die große Liebe - über die kleinen und die großen Fragen des Lebens eben.

Alle Episoden

Heide Wiehe
03.08.2021

Lebensmotto: "Stirb und werde!"

Heide Wiehe-Diers ist kein Fan von Kalendersprüchen, doch Goethes Gedichtzeile "Stirb und werde!" begleitet ihr Leben. Es ist ein Motto geworden, das sie ohne Angst in die Zukunft blicken lässt. Die 62-Jährige war Groß- und Außenhandelskauffrau, bevor sie ihren ersten Mann heiratete und mit den Kindern pausierte. Dann wurde ihr langweilig und sie holte ihr Abi an der Abendschule nach, sattelte ein Studium drauf und wurde Grundschullehrerin. Sie wollte die "eine" Lehrerin werden, an die sich die Kinder auch Jahrzehnte später noch gern erinnern. Ihre Ehe blieb dabei auf der Strecke. Ihr zweiter Mann fiel nach einer lang ersehnten Auszeit plötzlich ins Koma und starb. Sein Tod ist noch nicht verwunden, doch Heide Wiehe-Diers fühlt sich wieder bereit für das Abenteuer Leben.

61 Min.
Kermo
08.06.2021

"24 verschiedene Heime - das ist mein Leben" - Kermo

Ein hohes Gewaltpotenzial - das wurde Kermo schon mit vier Jahren attestiert. Als Kind hat er mehrfach alle Stationen der Kinder- und Jugendhilfe durchgemacht: verschiedene Heime, Pflegefamilien oder Wohngruppen für gewalttätige Jugendliche. Bei sich selbst habe er früher nie die Schuld gesucht, sagt Kermo heute: "Meine Gewalt ging immer gegen andere". Kermo hat früh gelernt, dass er nichts im Leben geschenkt bekommt. Er fing an Sachen zu klauen, schlug andere zusammen - und rutschte als Jugendlicher vollends auf die schiefe Bahn. Insgesamt drei Jahre hat der heute 27-Jährige wegen Einbrüchen und Raubüberfallen schon im Gefängnis eingesessen. Aber Kermo ist auch Vater von zwei kleinen Kindern und hofft für sie, dass er den Absprung von der Kriminalität schafft. Denn eigentlich will er nur das, was viele möchten: ein Einfamilienhaus mit Garten und Ruhe, und ein Vorbild für seine Kinder sein. Ob das klappt, bleibt ungewiss. Denn der Kampf zwischen Kopf und Herz ist noch nicht ganz entschieden.

62 Min.
Ulrike Schellpeper
25.05.2021

"Freiheit hat mich geprägt" - Ulrike Schellpeper

Freiheit - das ist für Ulrike Schellpeper das Wichtigste im Leben. Sie entstammt einer Hugenotten-Familie, in der die Frauen schon immer selbstbewusst ihren Weg gegangen sind, und deshalb war ihr früh klar: "Wenn ich arbeite, verdiene ich genauso viel wie ein Mann!" Auch Heiraten gehört nicht zu ihrem Lebensentwurf, denn schließlich will sie vom Staat nicht als "die Frau von..." betrachtet werden. Angebote hat es einige gegeben - auch von ihrem Lebenspartner, dem Vater ihrer Tochter. Seit über 40 Jahren sind die beiden ein Paar, leben in getrennten Haushalten und sind füreinander da, auch wenn es einem von beiden mal nicht so gut geht. Die Liebe zur gemeinsamen Tochter verbindet sie: Luise ist mehrfach schwerstbehindert, kann nicht laufen und nicht sprechen. Deshalb hat Ulrike Schellpeper für 12 Jahre ihre Berufstätigkeit als Lehrerin unterbrochen. Jedem Satz über Luise hört man die starke Verbindung zu ihrer Tochter an. Heute ist Ulrike Schellpeper 70 Jahre alt, freut sich über wiedergewonnene Lebensfreiheit und lebt in einem Reetdachhaus in Lesum, das ihre Eltern Anfang der Sechziger gekauft haben, nachdem sie 1961 als politische Flüchtlinge die DDR verlassen hatten. Ulrike Schellpeper war damals zehn Jahre alt. Sie war eingeweiht, als die Eltern Papiere und Geld nach West-Berlin schafften. Heute ist ihr klar: Wären sie geblieben und die Stasi hätte die Familie bei ihren Fluchtvorbereitungen erwischt, wäre sie in einem Kinderheim und die Eltern im Gefängnis gelandet. Der DDR-Diktatur weint sie keine Träne nach - Freiheit und Freizügigkeit sind die höchsten Güter in Ulrike Schellpepers Leben.

66 Min.

Freiheit - das ist für Ulrike Schellpeper das Wichtigste im Leben. Sie entstammt einer Hugenotten-Familie, in der die Frauen schon immer selbstbewusst ihren Weg gegangen sind, und deshalb war ihr früh klar: "Wenn ich arbeite, verdiene ich genauso viel wie ein Mann!" Auch Heiraten gehört nicht zu ihrem Lebensentwurf, denn schließlich will sie vom Staat nicht als "die Frau von..." betrachtet werden. Angebote hat es einige gegeben - auch von ihrem Lebenspartner, dem Vater ihrer Tochter. Seit über 40 Jahren sind die beiden ein Paar, leben in getrennten Haushalten und sind füreinander da, auch wenn es einem von beiden mal nicht so gut geht. Die Liebe zur gemeinsamen Tochter verbindet sie: Luise ist mehrfach schwerstbehindert, kann nicht laufen und nicht sprechen. Deshalb hat Ulrike Schellpeper für 12 Jahre ihre Berufstätigkeit als Lehrerin unterbrochen. Jedem Satz über Luise hört man die starke Verbindung zu ihrer Tochter an. Heute ist Ulrike Schellpeper 70 Jahre alt, freut sich über wiedergewonnene Lebensfreiheit und lebt in einem Reetdachhaus in Lesum, das ihre Eltern Anfang der Sechziger gekauft haben, nachdem sie 1961 als politische Flüchtlinge die DDR verlassen hatten. Ulrike Schellpeper war damals zehn Jahre alt. Sie war eingeweiht, als die Eltern Papiere und Geld nach West-Berlin schafften. Heute ist ihr klar: Wären sie geblieben und die Stasi hätte die Familie bei ihren Fluchtvorbereitungen erwischt, wäre sie in einem Kinderheim und die Eltern im Gefängnis gelandet. Der DDR-Diktatur weint sie keine Träne nach - Freiheit und Freizügigkeit sind die höchsten Güter in Ulrike Schellpepers Leben.

Martina Ernst
11.05.2021

"Jeder Tag ist eine Chance!" - Martina Ernst

Martina Ernst sprudelt förmlich über. Sie sprüht nur so vor Energie, Abenteuerlust und Offenheit für das Leben. Sie ist Autorin, schreibt Kurzgeschichten für Anthologien, Essays und Rezensionen und arbeitet gerade an ihrem ersten Roman - einer Abenteuergeschichte auf den Seychellen. Das ist ihr Roman-Debüt und damit möchte die 52-Jährige als Autorin richtig durchstarten. Die Seychellen sind seit einigen Jahren der Herzensort von Martina Ernst. Immer wieder versucht sie sich Geld für mehrwöchige Aufenthalte auf dem Inselarchipel im Indischen Ozean zusammenzusparen. Sie kann sich auch sehr gut vorstellen, dort länger zu wohnen - in einem Haus mit Hühnern und Geckos im Garten. Wenn nur das liebe Geld nicht wäre. Ihren Lebensunterhalt verdient die Bremerin mit dem Schreiben, mit Fotografie-Jobs für Zeitungen und diversen Minijobs. Jahrelang das Gleiche zu machen - Alltagstrott - liegt Martina Ernst überhaupt nicht. Sie ist Lebenskünstlerin, ihre Abenteuerlust ist groß: "Jeder Tag ist eine Chance!" - das ist ihr Lebensmotto.

68 Min.
Doris Isensee
27.04.2021

"Dann bin ich halt tot" - Doris Isensee

Eigentlich hatte sie geglaubt, ihren Job bis zur Rente machen zu können, aber jetzt verliert sie ihren Job mit Ende 50. Denn Doris Isensee arbeitet in der Verkehrsfliegerschule in Bremen, die geschlossen und abgewickelt werden soll. Als Betriebsrätin verhandelt die 57-Jährige den Sozialplan für die Belegschaft mit, aber für sie bleibt es dabei, dass eine kleine Welt zusammengebrochen ist. Seit einem Jahr ist sie wegen Corona in Kurzarbeit und hat sich viel mit der Pandemie-Politik auseinandergesetzt. Schutzmaßnahmen wie eine Maske zu tragen, lehnt sie für sich ab. Auch eine Querdenken-Demonstration hat sie sich schon aus der Entfernung angeschaut. Für sie steht auch fest: Impfen lassen wird sie sich nicht, weil sie der Impfstoffentwicklung nicht traut. Bis jemand ihr Vertrauen gewinnt, dauert es lange, sagt sie selbst. Sie lebt allein, weil sie nie den richtigen Partner fürs Leben gefunden hat, freut sich aber über ihren kleinen, guten Freundeskreis. Sie erzählt Mario Neumann, dass sie mit 21 Jahren in Amerika war. Ein wichtiger Punkt in ihrem Leben: Da habe sie als schüchternes Mädchen gelernt, zu sich selbst zu stehen und sich nicht verbiegen zu lassen. Dass sie heute manchmal aneckt, damit müsse sie leben, sagt Doris Isensee.

63 Min.