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Politische Reportagen und Features mit Hintergrundinformationen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Hier gibt es 15- bis 25-minütige Berichte, Reportagen und Features aus (Nord-) Deutschland, sowie von ARD-Korrespondenten und freien Autorinnen und Autoren aus der ganzen Welt. Auch Diskussionen, Interviews und Essays zu aktuellen, bewegenden Themen.

Alle Episoden

Die Blätter einer Cannabis-Pflanze werden angestrahlt.
01.12.2021

Kontrolliert Kiffen - Die Niederlande überdenken ihre Drogenpolitik

Die Bundesregierung will Cannabiskauf legalisieren. In den Niederlanden regieren zunehmend Drogenbosse. Die Politik dort schwenkt zurück. Die Ampelkoalition der neuen Bundesregierung hat sich festgelegt: Künftig sollen Erwachsene in Deutschland Cannabis legal in lizenzierten Geschäften kaufen und konsumieren dürfen. Dadurch will die Koalition die Qualität kontrollieren, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindern und besser als bisher den Jugendschutz gewährleisten. Vier Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes sollen die gesellschaftlichen Auswirkungen wissenschaftlich analysiert werden. Manch einer schaut dabei auf das Nachbarland Niederlande. Dort ist das Kiffen bereits seit den siebziger Jahren weitgehend entkriminalisiert, Marihuana und Haschisch sind leicht zu bekommen. Doch in den Niederlanden hat man keineswegs nur gute Erfahrungen gemacht. Denn mit dem Haschisch kam das Kokain, und damit eine immer gewalttätigere Bandenkriminalität. Um nicht vollends zum Narco-Staat zu werden, will die niederländische Regierung nun ihre Drogenpolitik verschärfen. Dabei gerät auch der Cannabis-Konsum ins Visier.

15 Min.
Ein Geschäftsmann hält einen Setzling in der Hand.
30.11.2021

Regionalwert AG - Bürger investieren in nachhaltige Landwirtschaft

Junge nachhaltig wirtschaftende Landwirte haben oft wenig Eigenkapital. Mit dem Kauf von Aktien können Bürger regionale Betriebe stärken. Nachhaltig erzeugte Lebensmittel zu kaufen, möglichst aus der Region - das ist vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern zunehmend wichtig. Landwirte, die sich dieser Idee verschrieben haben, gibt es zahlreiche. Nur: längst nicht alle kommen finanziell gut über die Runden. Die Marktgesetze von Handel und Zwischenhandel sowie das durchaus differenzierte Konsumentenbewusstsein prägen das Preisschild im Supermarkt. Zum Leidwesen von bäuerlichen Betrieben. Die Regionalwert AG will das ändern. Am 30. November wird in Bremen die inzwischen neunte Regionalwert Aktiengesellschaft im deutschsprachigen Raum gegründet. Ihr Ziel: die regionale Lebensmittelversorgung zu transformieren - finanziert von Menschen aus der Region. BürgerInnen können Aktien kaufen und regionale Betriebe mit diesem Geld investieren. Die Partnerbetriebe müssen sich zu bestimmten sozialen und ökologischen Standards verpflichten. Damit soll die regionale Lebensmittelkette von den Bauernhöfen, über die Verarbeiter bis hin zu Handel und Gastronomie gestärkt werden.

16 Min.
Bildschirmfoto eines gehackten PCs des Landkreises Anhalt-Bitterfeld
23.11.2021

Angriff auf Anhalt-Bitterfeld - Landkreis im Ausnahmezustand

Im Juli wurde Anhalt-Bitterfeld von einem Cyberangriff getroffen. Der Landrat rief den Katastrophenfall aus. In der Verwaltung lief nichts mehr. IT-Angriffe auf Unternehmen gehören fast zum Alltag in Deutschland. Auch kommunale Verwaltungen sind bedroht. So haben kriminelle Hacker vor kurzem die Server von zwei Dienstleistern in Mecklenburg-Vorpommern verschlüsselt. Die Folge: ein Ausfall der Verwaltung. Im Juli gab es bereits einen ähnlichen Fall in Sachsen-Anhalt. Eine erpresserische "Ransomware-Attacke" auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Der erste Angriff auf einen deutschen Landkreis. In der Verwaltung Anhalt-Bitterfeld gehen nur noch Telefone und alte, über das Stromnetz betriebene Faxgeräte. Die Daten der BürgerInnen und ihrer Vorgänge haben sich in unlesbare Buchstaben- und Zeichenfolgen verwandelt. So weiß man nicht, wer im Landkreis Sozialhilfe bekommt, wer Kindergeld, wer Bafög. Die Zulassungsstelle kann keine Autos mehr zulassen. Die Baubehörde keine Bauvorhaben mehr genehmigen. Das Geld wollen die Verbrecher nicht in Euro, sondern in Monero, einer Kryptowährung. Abgewickelt werden soll die Transaktion über anonyme Konten und das Darknet. Landkreis wie Landrat sind überfordert. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Landeskriminalamt können dem Landkreis praktisch nur wenig helfen. Der Landrat will sich nicht erpressen lassen. An seinem letzten Arbeitstag nach 20 Amtsjahren ruft er für Anhalt-Bitterfeld den Katastrophenfall aus - und die Bundeswehr rückt aus, erstmalig bei einem Cyberangriff. Die Shownotes zur Folge: https://www.sueddeutsche.de/politik/landkreis-halle-bitterfeld-hackerangriff-erpressung-1.5378878

25 Min.

Im Juli wurde Anhalt-Bitterfeld von einem Cyberangriff getroffen. Der Landrat rief den Katastrophenfall aus. In der Verwaltung lief nichts mehr. IT-Angriffe auf Unternehmen gehören fast zum Alltag in Deutschland. Auch kommunale Verwaltungen sind bedroht. So haben kriminelle Hacker vor kurzem die Server von zwei Dienstleistern in Mecklenburg-Vorpommern verschlüsselt. Die Folge: ein Ausfall der Verwaltung. Im Juli gab es bereits einen ähnlichen Fall in Sachsen-Anhalt. Eine erpresserische "Ransomware-Attacke" auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Der erste Angriff auf einen deutschen Landkreis. In der Verwaltung Anhalt-Bitterfeld gehen nur noch Telefone und alte, über das Stromnetz betriebene Faxgeräte. Die Daten der BürgerInnen und ihrer Vorgänge haben sich in unlesbare Buchstaben- und Zeichenfolgen verwandelt. So weiß man nicht, wer im Landkreis Sozialhilfe bekommt, wer Kindergeld, wer Bafög. Die Zulassungsstelle kann keine Autos mehr zulassen. Die Baubehörde keine Bauvorhaben mehr genehmigen. Das Geld wollen die Verbrecher nicht in Euro, sondern in Monero, einer Kryptowährung. Abgewickelt werden soll die Transaktion über anonyme Konten und das Darknet. Landkreis wie Landrat sind überfordert. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und das Landeskriminalamt können dem Landkreis praktisch nur wenig helfen. Der Landrat will sich nicht erpressen lassen. An seinem letzten Arbeitstag nach 20 Amtsjahren ruft er für Anhalt-Bitterfeld den Katastrophenfall aus - und die Bundeswehr rückt aus, erstmalig bei einem Cyberangriff. Die Shownotes zur Folge: https://www.sueddeutsche.de/politik/landkreis-halle-bitterfeld-hackerangriff-erpressung-1.5378878

Surinamische Gesandte und Femke Halsema, Bürgermeisterin von Amsterdam.
22.11.2021

Die Ketten sprengen - Die Niederlande und ihre Sklavereigeschichte

Jahrhundertelang haben Niederländer Menschen als Sklaven ausgebeutet. Eine staatliche Entschuldigung fehlt bis heute. 250 Jahre lang haben die Niederlande vom Sklavenhandel profitiert. Menschen wurden aus Afrika verschleppt und in die Kolonien über den Atlantik gebracht oder ins spätere Indonesien. Die Republik der Niederlande wurde reich damit, erst im späten 19. Jahrhundert endete das System der Ausbeutung. Wie heute mit der Geschichte umgegangen werden soll, wird in den Niederlanden kontrovers diskutiert. Gibt es noch so etwas wie Verantwortung, braucht es offizielle Entschuldigungen? Aktivist*innen, Kulturschaffende, Historiker*innen und Politiker*innen beantworten diese Frage höchst unterschiedlich. Eine Entschuldigung von staatlicher Seite fehlt bis heute, aber einzelne Städte gehen voran.

25 Min.
Blick auf den Hafen von Oakland mit Containern und Kränen.
17.11.2021

Gestörte Lieferketten - Marode Infrasstruktur in den USA

Die Corona-Pandemie hat die weltweiten Lieferketten gestört. Nirgends wird das deutlicher als an der Westküste der USA. Täglich warten Dutzende Containerschiffe darauf, dass ihre Ladungen in den Häfen an der kalifornischen Küste gelöscht werden können. Der Just-In-Time-Handel stockt auch in den USA. Das liegt nicht nur an der Pandemie. Es wurde zu wenig in Häfen, Straßen und Bahn investiert. Der Containerstau ist nicht nur ein Symbol für das wankende globale "Just-In-Time-Handelsmodell", das Jahrzehnte gut funktionierte und plötzlich infrage gestellt wird. Experten sehen die US-Konjunktur in Gefahr und befürchten durch höhere Transportkosten einen weiteren Inflationsschub. Der Containerstau verdeutlicht auch die marode Verkehrsinfrastruktur in vielen Regionen der USA. Dass Container nur so langsam entladen und Waren nur schleppend im Land verteilt werden können, liegt auch an verstopften Straßen und fehlenden Bahnstrecken. Die Shownotes zur Folge: Stau im Hafen Los Angeles: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/los-angeles-hafen-lieferengpaesse-101.html weltweite Hafenstaus: https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/wirtschaft-von-oben-129-los-angeles-rotterdam-ningbo-warum-sich-vor-den-haefen-rekord-staus-bilden/27750500.html Neue Infrastruktur für die USA: https://www.welt.de/politik/ausland/article233063975/Eine-Billion-Paket-in-USA-Ein-Geldsegen-fuer-Amerikas-marode-Strassen-Bruecken-Schienen.html https://www.deutschlandfunk.de/veraltet-marode-unterfinanziert-wie-die-us-infrastruktur-100.html

15 Min.

Die Corona-Pandemie hat die weltweiten Lieferketten gestört. Nirgends wird das deutlicher als an der Westküste der USA. Täglich warten Dutzende Containerschiffe darauf, dass ihre Ladungen in den Häfen an der kalifornischen Küste gelöscht werden können. Der Just-In-Time-Handel stockt auch in den USA. Das liegt nicht nur an der Pandemie. Es wurde zu wenig in Häfen, Straßen und Bahn investiert. Der Containerstau ist nicht nur ein Symbol für das wankende globale "Just-In-Time-Handelsmodell", das Jahrzehnte gut funktionierte und plötzlich infrage gestellt wird. Experten sehen die US-Konjunktur in Gefahr und befürchten durch höhere Transportkosten einen weiteren Inflationsschub. Der Containerstau verdeutlicht auch die marode Verkehrsinfrastruktur in vielen Regionen der USA. Dass Container nur so langsam entladen und Waren nur schleppend im Land verteilt werden können, liegt auch an verstopften Straßen und fehlenden Bahnstrecken. Die Shownotes zur Folge: Stau im Hafen Los Angeles: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/los-angeles-hafen-lieferengpaesse-101.html weltweite Hafenstaus: https://www.wiwo.de/technologie/wirtschaft-von-oben/wirtschaft-von-oben-129-los-angeles-rotterdam-ningbo-warum-sich-vor-den-haefen-rekord-staus-bilden/27750500.html Neue Infrastruktur für die USA: https://www.welt.de/politik/ausland/article233063975/Eine-Billion-Paket-in-USA-Ein-Geldsegen-fuer-Amerikas-marode-Strassen-Bruecken-Schienen.html https://www.deutschlandfunk.de/veraltet-marode-unterfinanziert-wie-die-us-infrastruktur-100.html

Der belebte Nachbarschaftstreff Rebuild in Huntington.
09.11.2021

Ein (fast) aussichtsloser Kampf: Opioid-Missbrauch in den USA | Reportage

Immer mehr US-Amerikaner sterben an einer Überdosis von Opioiden. West Virginia ist zum Drogen-Hotspot geworden - trotz vieler Hilfsangebote. Mit fast 95.000 Drogentoten haben die USA im vergangenen Jahr einen traurigen Rekord gemeldet. Vor allem der Opioid-Missbrauch nimmt zu. Los ging es Anfang der 2000er Jahre mit dem Schmerzmittel Oxycontin: Hunderttausende Amerikaner schluckten das Opioid auf Rezept und wurden süchtig. Danach stiegen viele auf Heroin und andere Drogen um. Inzwischen ist Fentanyl das Hauptproblem. Besonders dramatisch ist die Situation in West Virginia und dort in der ehemaligen Hafenstadt Huntington am Ohio River. Früher bekannt als Umschlagplatz für Rohstoffe aus den Appalachen. Jetzt berüchtigt als "Opioid-Hauptstadt" der USA. Über 10 Prozent der gut 45.000 Einwohner sind laut Schätzungen süchtig. Es gibt eine regelrechte Industrie, um ihnen bei Entzug und Reha zu helfen. Milliarden Dollar wurden investiert. Trotzdem ist die Zahl der Überdosis-Opfer im vergangenen Jahr dramatisch gestiegen. Ein Grund ist die Corona-Pandemie. Für die vielen Süchtigen gibt es in dieser ärmlichen Region mit hoher Arbeitslosigkeit kaum Perspektiven.

25 Min.
Interview im Hoh-Regenwald
08.11.2021

Kühler Norden unter Stress - Klimawandel in den USA

Der Sommer im klimatisch gemäßigten Nordwesten der USA war extrem heiß. Tiere und Pflanzen im Nationalpark litten. Die Olympische Halbinsel, der nordwestlichste Zipfel der Vereinigten Staaten, ist bekannt für ihr "schlechtes" Wetter. Etwa die Hälfte der Halbinsel ist Teil eines Nationalparks mit Regenwäldern voller Farne, Flechten und moosbedeckter Bäumen. In den Wäldern leben Bären, Berglöwen, Hirsche und die berühmte Bananenschnecke. Im Ozean tummeln sich Schwertwale und Delfine. Diese Region ist durch die Hitzewelle im Juni, die alle bisherigen Rekorde brach, besonders stark beeinträchtigt worden. Bis zu 45 Grad heiß wurde es in einigen Regionen, obwohl hier sonst ein moderates bis gemäßigtes Klima herrscht. Nicht nur die Menschen litten unter den heißen Temperaturen, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt. Einige Seesterne und Muscheln sind laut Biologen regelrecht gekocht worden.

25 Min.