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Junge sitzt im Museum
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Welche Bücher sind neu, was läuft im Kino, wie sieht die Festivalsaison aus und worüber diskutieren Kulturwelt und Kulturpolitik? Im Podcast SWR2 Kultur Aktuell widmen wir uns täglich den Nachrichten, mit Hintergründen, Gesprächen, Kritiken und Tipps. Damit Sie nichts Wichtiges mehr verpassen! Sie können nicht genug von uns kriegen? Auf www.swr2.de noch viele weitere Beiträge.

Junge sitzt im Museum

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IMAGO / Future Image
03.12.2021

Preis der Friedenstage Kirchheimbolanden für Carola Rackete - "Die schweigend Mehrheit muss sprechen"

Es gehe einfach nicht, wenn Robert Habeck sagt, Asyl sei ein "Gastrecht", sagt die Aktivistin Carola Rackete. Wenn rechte Narrative von konservativen Parteien, aber auch von SPD und Grün übernommen werden, sei das dramatisch. Viel zu lange habe man die Methode "Mit Rechte reden" verfolgt. Es gebe eine große Verantwortung der "schweigenden Mehrheit". Diese müsse jetzt sprechen und sich ganz klar gegen rechte Narrative positionieren, fordert Carola Rackete. Was die Situation von Geflüchteten angehen, so sei das Interesse der europäischen Zivilgesellschaften und auch die Berichterstattung immer noch zu wenig da, wenn schwarze Menschen im Mittelmeer sterben. Carola Rackete hatte als Kapitänin der Sea Watch3 im Jahr 2019 ohne Erlaubnis der italienischen Behörden im Hafen von Lampedusa angelegt, um 53 aus Seenot gerettete Menschen aus Libyen an einen sicheren Ort zu bringen. Nun bekommt Carola Rackete den Friedenstagepreis der Friedenstage in Kirchheimbolanden.

6 Min.
Olaf Scholz
03.12.2021

Vom "Scholzomat" zum Kanzler: Lars Haider über sein Buch "Olaf Scholz - Der Weg zur Macht"

Es sei schwer, zu Olaf Scholz einen persönlichen Draht zu entwickeln, sagt sein Biograph Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, in SWR2: "Ich glaube, es hat 40, 50 Treffen gebraucht, bis ich das Gefühl hatte: Ich muss nicht jedes Mal wieder bei Null anfangen. Das war schon schwierig, ihm näher zu kommen." Am 9. Dezember erscheint sein Buch "Olaf Scholz - Der Weg zur Macht". Der künftige Kanzler habe es ihm nicht leicht gemacht, erinnert sich Haider: "Natürlich hat mich gestört, wenn er in Interviews auf Fragen nie geantwortet hat, zumindest nicht auf die Frage, die man ihm gestellt hat, und sich daraus einen Spaß gemacht hat." Lange sei Scholz als "Scholzomat" verspottet worden. Seine demonstrative Nüchternheit sei dabei Programm, sagt Haider "Er glaubt, dass ein Mensch in seinen Ämtern, ob als Bürgermeister, Minister oder als Kanzler, keine Gefühle zeigen darf, weder positive noch negative." Er selbst, so Haider, halte das für falsch, habe Scholz oft geraten, doch mehr Gefühle zu zeigen. Das kümmere den künftigen Kanzler aber gar nicht. Er vertraue auf seine enormen fachlichen Kenntnisse. Andere seien vielleicht "charismatischer und cooler", so Haider, beispielsweise Markus Söder. Wenn man aber nachfrage, komme meistens nicht viel. Daraus ziehe Scholz sein Selbstbewusstsein. Dass jeder im Land "sein Glück finden" könne, "unabhängig davon, was er macht", sei der politische Antrieb von Scholz. Niemand solle auf den anderen herabsehen, Männer nicht auf Frauen, Akademiker nicht auf weniger Gebildete. Bei solchen Themen könne sich Scholz auch in Rage reden. Niemand habe ihm 2018 abgenommen, Kanzlerkandidat der SPD und Kanzler werden zu können. Doch die Worte "Zweifel" und "Olaf Scholz" passten nicht gut zusammen. "Wenn Olaf Scholz von etwas überzeugt ist, verfolgt er diesen Weg. Wenn etwas dazwischenkommt, empfindet er es als kleinen Rückschlag, hält aber an seinem Plan weiter fest." Gegner wie den ehemaligen Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert versuche er einzubinden. Kühnert wird jetzt neuer SPD-Generalsekretär. "Die SPD ist für Olaf Scholz jetzt nicht mehr so wichtig, wie sie es in der Vergangenheit war. Jetzt ist Olaf Scholz für die SPD viel wichtiger als umgekehrt."

7 Min.

Es sei schwer, zu Olaf Scholz einen persönlichen Draht zu entwickeln, sagt sein Biograph Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, in SWR2: "Ich glaube, es hat 40, 50 Treffen gebraucht, bis ich das Gefühl hatte: Ich muss nicht jedes Mal wieder bei Null anfangen. Das war schon schwierig, ihm näher zu kommen." Am 9. Dezember erscheint sein Buch "Olaf Scholz - Der Weg zur Macht". Der künftige Kanzler habe es ihm nicht leicht gemacht, erinnert sich Haider: "Natürlich hat mich gestört, wenn er in Interviews auf Fragen nie geantwortet hat, zumindest nicht auf die Frage, die man ihm gestellt hat, und sich daraus einen Spaß gemacht hat." Lange sei Scholz als "Scholzomat" verspottet worden. Seine demonstrative Nüchternheit sei dabei Programm, sagt Haider "Er glaubt, dass ein Mensch in seinen Ämtern, ob als Bürgermeister, Minister oder als Kanzler, keine Gefühle zeigen darf, weder positive noch negative." Er selbst, so Haider, halte das für falsch, habe Scholz oft geraten, doch mehr Gefühle zu zeigen. Das kümmere den künftigen Kanzler aber gar nicht. Er vertraue auf seine enormen fachlichen Kenntnisse. Andere seien vielleicht "charismatischer und cooler", so Haider, beispielsweise Markus Söder. Wenn man aber nachfrage, komme meistens nicht viel. Daraus ziehe Scholz sein Selbstbewusstsein. Dass jeder im Land "sein Glück finden" könne, "unabhängig davon, was er macht", sei der politische Antrieb von Scholz. Niemand solle auf den anderen herabsehen, Männer nicht auf Frauen, Akademiker nicht auf weniger Gebildete. Bei solchen Themen könne sich Scholz auch in Rage reden. Niemand habe ihm 2018 abgenommen, Kanzlerkandidat der SPD und Kanzler werden zu können. Doch die Worte "Zweifel" und "Olaf Scholz" passten nicht gut zusammen. "Wenn Olaf Scholz von etwas überzeugt ist, verfolgt er diesen Weg. Wenn etwas dazwischenkommt, empfindet er es als kleinen Rückschlag, hält aber an seinem Plan weiter fest." Gegner wie den ehemaligen Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert versuche er einzubinden. Kühnert wird jetzt neuer SPD-Generalsekretär. "Die SPD ist für Olaf Scholz jetzt nicht mehr so wichtig, wie sie es in der Vergangenheit war. Jetzt ist Olaf Scholz für die SPD viel wichtiger als umgekehrt."

Paolo Sorrentinos "Die Hand Gottes":
02.12.2021

Ein narzisstischer Exzess: "Die Hand Gottes" von Paolo Sorrentino

Mit dem Film "Die Hand Gottes" kehrt der Italiener Paolo Sorrentino ins Kino zurück, nach seinen Ausflügen in die Serienwelt. Allerdings nur halb. Denn "Die Hand Gottes" ist von Netflix produziert und läuft nur in wenigen Kinos. Die Filmerzählung dreht sich um das Ende eines Sommers, irgendwo zwischen losem Dahinleben und Sehnsüchten. Sorrentino erzählt anekdotenhaft von einem jungen Mann, der 1986 genau 16 Jahre alt war - in dem Jahr, als Diego Armando Maradona für den SSC Neapel spielte und bei der WM in Mexiko von der "Hand Gottes" Hilfe erhielt. Zufällig ist er also genauso alt wie Sorrentino selbst. Es wirkt verräterisch, dass Sorrentino nun auch sich selbst und seine Kindheit zum Thema seines Films macht. Ohne daran irgendetwas in Frage zu stellen oder zu ironisieren. Dieses Kino kreist wie ein sehr lauter Brummkreisel nur um seinen Regisseur. Es ist ein narzisstischer Exzess.

3 Min.
Der Stummfilmmusiker Günther A. Buchwald
02.12.2021

Riesiges Repertoire: Stummfilmmusiker Günter Buchwald aus Freiburg erhält den baden-württembergischen Ehrenfilmpreis

Bei der Filmschau Baden-Württemberg erhält der Stummfilmmusiker Günter Buchwald aus Freiburg den Ehrenfilmpreis des Landes. Buchwald ist in dem Metier eine Instanz. Als Geiger und Pianist hat er bisher nicht nur über 3.000 Stummfilme auf der ganzen Welt begleitet. Er komponiert auch neue Orchestermusik zu alten Klassikern, die dann in Theatern oder auf Festivals aufgeführt wird. Buchwald improvisiert auf dem Klavier, der Geige oder spielt mit seinem Ensemblepartner, dem Schlagzeuger Frank Bockius. Oder er komponiert, wie bei Casanova oder seiner Fassung von "Nosferatu". Ästhetisch fühlt er sich dabei total frei, aber doch dem Geist des jeweiligen Films und der Regie verpflichtet. Er ist ständiger Gast bei den Festivals in Bristol, dem großen Branchentreff im italienischen Pordenone, hat in Los Angeles mit DJ Spooky live Filmmusik gemacht - und ist dabei seinen Anfängen in Freiburg treu geblieben. Im Kommunalen Kino gestaltet er dort jeden Monat einen Stummfilmabend. Und freut sich natürlich, dass ihm das Land Baden-Württemberg - "The Länd" - nun auch einen Preis verleihen will.

4 Min.