Humboldt Forum im Berliner Schloss
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Neue Recherchen zum Berliner Schloss: Rechtsradikale Spender und imperiale Symbolik

Kultur aktuell · 19.03.2024 · 9 Min.
Humboldt Forum im Berliner Schloss
Erscheinungsdatum
19.03.2024
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Ein Kreuz, eine Kuppel, ein Bibelzitat und jetzt auch noch acht große Statuen von alttestamentarischen Propheten: Am Ausbau des Berliner Schlosses wurden nachträglich herausgehobene christliche Symbolik verstärkt, sagt der Architekt Prof. Dr. Philipp Oswalt von der Universität Kassel. Das sei besonders problematisch: "Staatliche Repräsentationsbauten bringen zum Ausdruck wie die Gesellschaft sich heute versteht". In einer Recherche habe er veröffentlicht, wie wichtige Spender für die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses rechtsradikale Ansichten teilen. "Da wird ein rechtsradikales Milieu anschlussfähig an die gesellschaftliches Mitte." Eine Symbolik des preußischen Reiches Auf der Kuppel wurde zudem ein Bibelzitat angebracht, der eine politische Brisanz habe, so Oswalt, der in seiner Form auch eine Symbolik des preußischen Imperiums zum Ausdruck bringe. Eine problematische Positionierung, "die begeistert natürlich die rechtsradikalen Spender". Gegen eine Rekonstruktion des Schlosses habe Philipp Oswalt nichts, sondern seine Kritik sei vielmehr an das Wie und an "welche Aussagen damit verbunden sind". Gegen jedes Verständnis Die Stiftung Humboldtforum ist für dieses Bauprojekt verantwortlich und als Forum stünde für ein weltoffenes Deutschland. Oswalt sehe keinen Grund Spenden von einem rechtradikalen Spektrum anzunehmen, denn es keine Notwendigkeit gebe, weitere Bauteile, über das Beschlossene hinaus, zu realisieren, "dafür fehlt mir jedes Verständnis". Oswalt spricht sich dafür aus, auch andere Spuren der deutschen Geschichte in das Gebäude einzuschreiben, wie etwa die der Revolution von 1918, des Zweiten Weltkriegs oder des Palasts der Republik. "Ich glaube wir müssen mal darüber diskutieren, welches Geschichtsbild wir an diesem Ort eigentlich vermitteln wollen."